Unternehmensgeschichte der Sünner-Brauerei, Deutz & Kalk

 

Weitere Informationen zu Sünner Kölsch und Nachkriegs-Werbemitteln finden Sie im Bereich Kölschmarken auf www.koelschinfo.de

Die Anfänge in Deutz
Im Jahr 1830 gründete Franz Hess im rechtsrheinischen Deutz an der Deutzer Freiheit Nr. 3 eine Hausbrauerei mit Brennerei und Wirtschaft und nannte sie „Zum Schiffgen“. Deutz war damals noch kein Stadtteil von Köln (erst 1888 eingemeindet), sondern eigenständig.
Bis zum Bau der Schiffbrücke zwischen Köln und Deutz im Jahr 1822 war allerdings war auch nicht viel los in Deutz. Die Gegend war nur spärlich besiedelt und besaß wenig Industrie. Es gab außer durch Fähren in dieser Zeit keine direkte Verbindung zwischen Köln und Deutz, durch die neue Brücke wurde diese Verbindung hergestellt und damit setzte ein Boom ein.
Der Warenaustausch vereinfachte sich und viele Kölner nutzten die Brücke auch für Ausflüge auf die andere Rheinseite. Als Konsequenz entstanden Industrie und Gastronomie in Deutz und die Einwohnerzahl stieg stetig. Und genau diese Rahmenbedingungen nutzte Franz Hess mit seiner Brauerei. Idealerweise lag die Brauerei direkt an der rechtsrheinischen Anlegestelle der Schiffsbrücke.
 
(F018) [25]
Foto der Schiffbrücke mit Blick von Köln auf die Deutzer Seite aus dem Jahr 1896. Zu sehen sind links der Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, direkt rechts daneben das Gebäude der Brauerei und unterhalb des Bahnhofs ein fest verankertes Badeschiff, ausgestattet mit 16 Wannen mit Umkleidekabinen und Aufenthaltsräumen. Im Vordergrund rechts zu sehen eines der beiden Brückenzollhäuschen.
 
(F026) [26]
Foto des Gemäldes "Ansicht von Deutz" von Wilhelm Scheiner (1852–1922) aus dem Jahr 1900. Zu sehen ist die gerade für die Durchfahrt der Schiffe geöffnete Brücke. Zu Beginn wurde die Brücke nur dreimal täglich für den Schiffsverkehr geöffnet.
Aus dieser Perspektive ist das Gebäude der Brauerei Sünner direkt rechts neben dem Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn gut zu erkennen.
(F002) [26]
Die Brauerei Gebr. Sünner an der Deutzer Freiheit. Gut zu sehen ist mittig der Bahnhof der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Gemälde von Wilhelm Scheiner, vermutlich um 1900.
 
(PK011)
Postkarte "Bierbrauerei von Gebr. Sünner, Köln-Deutz", gelaufen 1898
(unbekannte Sammlung) 
(PK008)
Postkarte "Bierbrauerei von Gebr. Sünner, Köln-Deutz",
vermutlich von 1900
(unbekannte Sammlung)
(F033) [33]
Foto der Brauerei an der Deutzer Freiheit aus ähnlicher Perspektive wie das Gemälde darüber

Im Jahr 1846 starb Franz Hess und vermutlich auch seine Frau, eine geborene Sünner. Als Konsequenz übernahm der Schwager von Franz Hess, Christian Sünner, die Brauerei. Genaugenommen ist die Brauerei also erst seit 1846 im Besitz der Familie Sünner, gegründet wurde sie aber, wie auch von Sünner heute noch referenziert, im Jahr 1830.
Ein weiteres Ereignis im Jahr 1846 führte dazu, dass die Brauerei noch erfolgreicher wurde, als bis dahin schon. Die Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete 1846 den Mindener Bahnhof direkt vor der Brauerei. D.h. es strömten nicht nur Gäste über die Schiffbrücke in das Brauhaus, sondern noch zusätzlich auch noch vom Bahnhof.

Die Gründung der Braustätte in Kalk
Der Erfolg der Brauerei führte dazu, dass die Kapazität den Bedarf nicht mehr decken konnte. Als Konsequenz entschied sich Christian Sünner zum Bau einer neuen, größeren Brauerei. Im benachbarten Kalk (in dieser Zeit ebenfalls noch eigenständig, erst 1910 eingemeindet) wurde er fündig. Er erwarb im Jahr 1858 vom Braunkohlebergwerksbesitzer Wilhelm Eckardt ein ca. 2,5 Hektar großes Grundstück an der Frankfurter Straße 184, ca. 3,5 Kilometer vom Brauhaus in Deutz entfernt.
Der Unternehmer Wilhelm Eckart hatte 1856 die Erlaubnis erhalten in Kalk, damals noch ein kleines landwirtschaftlich geprägtes Dorf mit wenigen hundert Einwohnern, Braunkohle abzubauen. Er gründete die Zeche „Neu-Deutz“, errichtete Gebäude und ließ bis zu 35 Meter tiefe Schächte graben. Allerdings konnte die Zeche wegen eindringendem Grundwasser, welches von den damals verfügbaren Pumpen nicht bewältigt werden konnte, nie in Betrieb gehen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen gab Wilhelm Eckart im Jahr 1868 endgültig auf und Christian Sünner erwarb auch noch das restliche Grundstück.
Für Christian Sünner sen. schaffte der Misserfolg von Wilhelm Eckart ideale Rahmenbedingungen. Nachdem er Teile der bestehenden Gebäude konnten für die Brauerei verwendet werden (z.B. als Lagerkeller) und das eindringende Grundwasser eignete sich hervorragend zum Bierbrauen.
Der Bau der Brauerei dauerte 2 Jahre bis im Jahr 1860 die Brauerei in Kalk unter dem Namen „Brauerei Christian Sünner sen.“ in Betrieb ging. Sie war schon damals innovativ mit einem 2 PS „Lokomobil“, einer Dampfmaschine für die Einmischung des Malzes, ausgestattet.
Im Jahr 1869 übergab Christian Sünner die Brauerei an die nächste Generation, seine Söhne Christian und Franz Sünner übernahmen den Betrieb. Die Brauerei firmierte in den nächsten 3 Jahren als „Brauerei Christian Sünner sen., Inh. Chr. Sünner jun. & Franz Sünner“, ab dem Jahr 1872 dann als „Zechenbrauerei und Brennerei Chr. Sünner“. 4 Jahre nach der Übergabe, im Jahr 1873, starb Christian Sünner sen.
Neben der Brauerei wurde auch eine Restauration nebst Biergarten, genannt „Zur Zeche“ direkt neben der Brauerei eröffnet.
 
   
(111) [41, 01.05.1869)
Anzeige von Wilhelm Rommers aus Hitdorf aus dem Jahr 1869. Dieser stelle Kühlapparate her, die auf dem Prinzip des Wärmetauschers basierten (die Kühlmaschine von Linde war noch nicht erfunden). In der langen Liste der Referenzen findet sich auf "die Herren Chr. Sünner in Kalk" wieder
 
                                                                                                                               
(BK001) [2]
Briefkopf der Brauerei aus dem Jahr 1898

 
(PK009) [unbekannt]
Postkarte der Zechenbrauerei Gebr. Sünner, vermutlich um 1900
 
(W017) [39, 24.04.1881]
Ausschank von hochfeinem Lagerbier aus der berühmten, anerkannt leistungsfähigen Brauerei von Christian Sünner. Weiter wird noch auf die "Riesengläser" hingewiesen. Anzeige aus dem Jahr 1881
 
(F001) [26]
Gebäude der Zeche Neu-Deutz aus dem Jahr 1858

 
(PK001)
Postkarte aus Kalk mit der Abbildung der "Zechen-Brauerei von Gebrüder Sünner" und der Gartenwirtschaft, gelaufen 1902
(unbekannte Sammlung)
  (PK007)
Postkarte "Gruss aus Kalk, Restaurant zur Zeche, Inhaber: Karl Becker". Vermutlich um 1900
 
(110) [40, 31.10.1885]
Versammlung der Brauer aus Rheinland und Westfalen in Köln im Jahr 1885. Zu dieser Zeit wurde es insbesondere bei kleinen Brauereien immer beliebter dem Bier Surrogate (Zusatzstoffe) zuzusetzen. Hierdurch ließ sich teurer Hopfen sparen und die schlechte Qualität überdecken. Die großen Brauereien wollten ein Verbot dieser Zusätze durchsetzen
 
(W018) [39, 31.10.1886]
Anzeige der Sünner-Brauerei für Bock-Bier aus dem Jahr 1886
                                                                      
(W020) [39, 08.12.1889]
Anzeige des Hotel-Restaurant Nordstern aus dem Jahr 1889. Im Angebot: Feines Exportbier aus der "Zech-Brauerei" von Gebr. Sünner
(W019) [39, 29.12.1889]
Anzeige des Hotel-Restaurant Nordstern aus dem Jahr 1889. Im Angebot: Ein hochfeines Glas Bier aus der Zechen-Brauerei von Gebr. Sünner

 

(W016) [38, 01.03.1890]
Anzeige des Hotel-Restaurant Nordstern aus dem Jahr 1890. Im Angebot: "Prima Exportbier aus der Zechenbrauerei von Gebr. Sünner, Kalk"

 

   
(W021) [38, 24.12.1891]
Anzeige des Hotel-Restaurant Nordstern aus dem Jahr 1891. "Bier-Ausschank der Zechenbrauerei von Gebr. Sünner in Kalk"
                                                                                                      

Das Dorf Kalk hatte sich in der Zwischenzeit von einem bäuerlich geprägten kleinen Dorf zu einer Industriestadt entwickelt. Aus 100 Einwohner um 1850 waren 1870 schon über 5.000 Einwohner geworden. Bis zur Eingemeindung nach Köln im Jahr 1910 war die Bevölkerung bereits auf fast 28.000 Einwohner angewachsen.

Die Entwicklung bis in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts
Die Brauerei in Deutz wurde weiterhin parallel zur neuen Braustätte in Kalk betrieben. Im Jahr 1870 übergab Christian Sünner sen. die Führung der Brauerei in Deutz offiziell an seine beiden Söhne Christian Sünner jun. (der auch in der Firmierung der Braustätte in Kalk auftaucht) und Albert Sünner. Die Firmierung als „Brauerei Christian & Albert Sünner“ dauerte allerdings nur 1 Jahr, bis die Brauerei 1871 in „Brauerei Gebr. Sünner“ umfirmiert wurde.
Mittlerweile waren 4 Söhne von Christian Sünner sen., Christian jun., Franz, Albert und Carl in den Brauereien tätig. Carl taucht zwar nicht namentlich in den Firmierungen auf, hatte aber mit einen entscheidenden Einfluss auf den langfristigen Erfolg der Brauerei in Kalk. Carl, genauer Carl Gustav Sünner, begann 1872, im Alter von 23 Jahren, eine „Ausbildungs-Tour“ durch Deutschland und Österreich. Hierbei besuchte er Brauereien in Hamburg, Kiel, Leipzig, Dresden, Berlin, Wien und Pilsen.
Carl Sünner kehrte nach 4 Jahren im Jahr 1876 zurück und überzeugte seinen Bruder sich an der Produktion eines untergärigen Bieres zu versuchen. Zu dieser Zeit produzierten die Sünner-Brauereien ausschließlich obergäriges Bier, wie fast alle anderen Kölner Brauereien dieser Zeit auch. Der Versuch gelang, dass nach bayrischer Art produzierte untergärige Lagerbier wurde „Sünner-Bräu“ genannt und von der Kundschaft sehr gut angenommen.
Problematisch war die Beschaffung und Lagerung des für die untergärige Brauweise benötigten Eises. Dieses musste im Winter beschafft und bis in den Sommer hinein gelagert werden, um eine durchgehend Bierproduktion sicherzustellen. Schon damals gab es eisarme Winter, die die Brauerei in Kalk immer wieder vor Probleme stellte. Aus diesem Grund und auch auf Grund der steigenden Nachfrage entschloss man sich 1888 zum Bau eines neuen größeren Gebäudes mit einem neuen Sudhaus und der Anschaffung einer dampfbetriebenen Eismaschine. Der Bau des noch heute erhaltenen und denkmalgeschützten Brauereigebäudes sowie die Beschaffung und Installation von Sudkesseln, Eismaschine und einer weiteren Dampfmaschine dauerten 2 Jahre. Im Jahr 1890 wurden die neuen Anlagen in Betrieb genommen. Durch das neue Doppel-Sudwerk wurde die Braukapazität auf die damals beachtliche Jahreskapazität von 70.000 Hektolitern gesteigert. 1896 erfolgte eine weitere Erweiterung, die Lagerkapazität der Kellereien wurde auf 17.000 Hektoliter erhöht. Damit war die Braustätte in Kalk in der damaligen Zeit modernst ausgestattet und unter den 5 größten Brauereien Kölns zu finden.
Christian Sünner jun. erlebte dies nicht mehr, er starb im Jahr 1888. Nach seinem Tod wurde die Brauerei in „Brauerei und Brennerei Gebr. Sünner“ umbenannt. Brüder gab es ja genug, in der einschlägigen Literatur werden 4 Brüder aufgezählt (Christian Sünner sen., Christian jun., Franz, Albert und Carl). Auf einer Abbildung des Stammbaums der Familie Sünner taucht noch ein fünfter Sohn, Ernst Sünner, auf. Dieser tritt später noch als Gesellschafter auf, war aber vermutlich kein Sohn von Christian Sünner jun. sondern stammte aus der dritten Generation. Seine genaue familiäre Einordnung ist aber unklar.
Nachdem Christian Sünner jun. sich im Jahr 1884 aus der Geschäftsführung der Brauerei in Deutz zurückgezogen hatte, stieg sein Bruder Franz in die Geschäftsführung ein. Die Brauerei in Deutz firmierte fortan als „Brauerei Albert & Franz Sünner“. Nach dem Tod von Franz Sünner im Jahr 1905 wurde die Braustätte in Deutz noch 3 Jahre von Albert Sünner weiter betrieben („Brauerei Albert Sünner“), bevor der Braubetrieb im Jahr 1908 eingestellt wurde. Dies war nur eine logische, eigentlich zu späte Konsequenz, da die Herstellung des Bieres in der modernen Braustätte in Kalk wesentlich kostengünstiger möglich war. Nach der Einstellung des Braubetriebes wurde der Betrieb als Brauereiausschank weitergeführt.
 
(003)
Brauereigelände um 1892. Ganz oben links ist noch ein Teil des im Bild F003 abgebildeten Zechen-Gebäudes zu sehen. Der Großteil der Gebäude ist heute noch so erhalten
 
(F020) [26]
Foto des 1890 erbauten Hauptgebäudes der Brauerei aus den 2000er Jahren
(F020)
Schriftzug "ZECHENBRAUEREI" oben an der Vorderseite des Hauptgebäudes mit Bergbausymbolen links und rechts
(F021)
Kutschenhaus und Pferdestall mit der Jahreszahl 1898
(F019) [26]
Zu sehen ist das alte Tor vor dem Kutschenhaus mit den Initialien "G" "S" für "Gebr. Sünner"
 
(F022)
Foto mit Teilen des Brauereihofs aus den 2010er Jahren. Zu sehen ist der Sünner-Nostalgie-LKW
(F027) [28]
Seitenansicht von Kutchenhaus und Remise
(F029) [28]
Teil-Gebäude der im Jahr 1906 errichteten Lagerhallen
 
(F028) [28]
Foto der heute noch erhaltenen Dampfmaschine aus dem Jahr 1889
(F024)
Altes Foto der Brauereigebäude aus Sicht der Zechengebäude
(F013) [22]
Foto-Montage der Brauerei in Kalk mit der Belegschaft aus dem Jahr 1900. Bilder dieser Art waren um die Jahrhundertwende sehr beliebt, eine ähnliche Foto-Montage gibt es z.B. auch von der Reissdorf-Brauerei 
 
(F003) [22]
Pferdegespann der Sünner-Brauerei, vermutlich um 1910
(unbekannte Sammlung)
   
(WK037) [#, 14.12.1907]
Die Sünner-Brauerei erwarb im Jahr 1907 im Rahmen einer Zwangsversteigerung das Colonia-Restaurant in der Aachenerstraße 19. Der vorherige Besitzer Konrad Droullier, der auch zeitweise das Brauhaus "Im Kaiser" betrieb hatte sich finanziell übernommen. Immerhin blieb er nach der Übernahme Betreiber der Restauration
                                                                               

In einem Artikel aus dem Jahr 1910 wird die Brauerei in Kalk wie folgt dargestellt [6]:
Die Brauerei Gebr. Sünner wurde im Jahre 1859 zwecks Vergrößerung aus dem Stammhause in Deutz nach Kalk verlegt und zwar auf das Terrain der ehemaligen Braunkohlezeche "Neu-Deutz". Im Jahre 1889 wurden umfangreiche Neu- und Umbauten des ganzen Betriebes vorgenommen, und in den Jahren 1906 und 1907 wurde der Betrieb durch bedeutende Neubauten, Kellereianlagen, Faßhallen und Bureaugebäude erweitert. Der Hauptbau umfaßt drei große Malzsilos, aus welchen das zur Verwendung kommende Malz mittels Elevatoren und Transporteuren durch eine Entstäubungs- und Poliermaschine zu einer vierwalzigen Schrotmühle gelangt. Im Untergeschoß hat ein Doppelsudwerk für 50 Zentner Einmaischung Aufstellung gefunden; die Einrichtung ist derart, daß bei Tag und Nachtbetrieb 17 Sude pro Woche gemacht werden können. Gleich neben dem Sudhause liegen die Maschinenräume. Eine Dampfmaschine von "Germania" Chemnitz mit Sulzer-Ventilsteuerung und eine im Jahre 1889 montierte Compoundmaschine von "Humboldt" Kalk mit zusammen 155 Pferdestärken geben die Kraft für die verschiedenen Betriebszweige. Die elektrische Licht- und Kraftanlage besteht aus einem "Lahmeyer"-Dynamo (Aachen), mit 130 Amper und einem "Helios"-Dynamo mit 400 Amper Leistung, ferner drei Heliosmotoren von 25 H.P. zum Antreiben von Pumpen, Faßwaschmaschinen und Aufzügen. Direkt gekuppelt und teils mit Transmissionsantrieb befinden sich im Maschinenhause noch drei Eiskompressoren (2 Germania und 1 Humboldt). In Verbindung mit den Maschinenhause befindet sich der Raum für den Eisgenerator für eine Eiserzeugung von stündlich 1000 kg Blockeis, sowie für die verschiedenen Pumpen der Bier-, Keller- und Schwimmerkühlung. Im Kesselhause steht ein Wasserreiniger System "Reisert", für stündlich 2,5 cbm Leistung; zwei Röhrendampfkessel von Walther & Cie., A.-G. in Dellbrück mit 275 qm Heizfläche liefern den Dampf für den gesamten Brauerei- und Brennereibetrieb. Über dem Maschinenhause befinden sich die luftigen Aufenthaltsräume und Badezimmer für das 60 Mann betragende Personal. Anschließend an diese Hochbauten befinden sich unter Hallenbauten die Gär- und Lagerkeller der Brauerei, diese sind je für die untergärigen und obergärigen Biere in sich voneinander streng getrennt. In den Gärkellern stehen 54 Bottiche mit je 40 Hektoliter Inhalt. Die Lagerkeller halten Fässer von 10 bis 100 Hektoliter. Der Gesamtlagerraum wurde durch die ausgedehnten Erweiterungsbauten im Jahre 1906 auf 20.000 Hektoliter gebracht. Diese letzten Neubauten wurden ganz in Eisenbeton ausgeführt und liegen über den neuen Lagerkellerabteilungen, ebenso die neue Schwankhalle, auf welcher die zurück kommenden Transportfässer innen und außen durch besondere Maschinen gereinigt werden. Von hier gelangen dieselben in die Abfüllhalle. in welcher die Fässer mittels einer isobarometrischen Abfüllanlage wieder gefüllt werden. Die ganze Neuanlage wird von einem Eisenbetongewölbe mit 24 m Spannweite auf eine Länge von 30 m überspannt. An dieser Langseite zieht sich eine überdeckte Ladebühne hin, von wo aus die Expedition durch den aus 13 Pferden schwersten belgischen Schlages und 4 Laufpferden bestehenden Fuhrpark erfolgt. Mit dem Brauereibetriebe verbunden ist noch eine Kornbranntweinbrennerei, in welcher die verschiedenen Sorten Kornbranntwein und Wacholder aus Malz und Roggen hergestellt werden.

Die Jahre bis zum zweiten Weltkrieg
Neben der Brauerei betrieb die Familie Sünner zumindest ab 1872 auch eine Brennerei. Diese musste, im Gegensatz zur Brauerei, während des 1. Weltkrieges bedingt durch Rohstoffknappheit stillgelegt werden. Im Jahr 1918 wurde die Produktion, u.a. des damals sehr bekannten Kornbranntweins „Sünner Korn“, aber wieder aufgenommen. Die Brennerei ist auch über hundert Jahre später immer noch in Betrieb.
In diesen Zeiten war die Brauerei auch finanziell sehr erfolgreich. Im Jahr 1913 werden Albert und Carl Sünner im Jahrbuch der Millionäre [13] je als „einfache Millionäre“ geführt, was einem Vermögen von 1 bis 2 Millionen Mark entsprach. Ferner „… Teilhaber der Fa. Gebr. Sünner Brauerei und Brennerei in Kalk b. Köln, welche rund 21 Häuser in Köln besitzt, Besitzer von 5 Häusern, im eigenen Hause Sachsenring 59…“.
Die Produktpalette nach der Jahrhundertwende war groß, es wurden Bock-, Export-, Lager- und Kölsch-Bier gebraut, d.h. ober- und untergärige Biere. Die Sünner-Brauerei war einen der ersten Brauereien, die ihr obergärig gebrautes Bier als „Kölsch“ bezeichnetet. Nachgewiesen ist dies ab 1903 (siehe Abbildung PKHZ001), vermutlich aber schon seit ca. 1900.
Im Jahr 1920 kam noch ein Märzen-Bier hinzu, ab Oktober 1922 wurde dann auch das im Trend liegende Pils produziert. Im Jahr 1927 wurde „Sünner Kristall“ eingeführt, ein untergäriges Exportbier, welches bis in die 1960er Jahre das bekannteste Bier von Sünner war (die Produktion von Sünner Kristall wurde 1972 eingestellt).
In einem weiteren Artikel aus dem Jahr 1921 wird die Brauerei wie folgt dargestellt [12]:
Zu den ältesten Brauereien von Köln und Deutz-Kalk, die seit fast einem Jahrhundert im Besitz derselben Familie geblieben sind, zählt die Brauerei und Brennerei Gebrüder Sünner von dem damaligen Brauereibesitzer Christian Sünner in dem heute noch stark besuchten Stammhaus der Familie, Restaurant Sünner in Deutz gegenüber der ehemaligen Schiffbrücke und dem alten Deutzer Bahnhof, der neuen Hängebrücke Platz machen mußte. 1859 wurde die Brauerei nebst Brennerei nach Kalk verlegt und im Laufe der Jahre zu einem der größten Unternehmen dieser Art in unserer Vaterstadt ausgebaut. Mit der neuen Brauerei wurde das stattliche Gartenrestaurant "Zur Zeche" an der Endhaltestelle der Kalker Straßenbahn verbunden, das heute zu den gediegensten Gaststätten des Industrievororts Kalk zu rechnen ist.
In dieser Zeit wurden neben den firmeneigenen Gaststätten in Kalk und Deutz auch andere Restaurationen in Köln mit Sünner-Bier beliefert, unter anderem die Kölner Brauhausgaststätte „Zur Henne“ und das Muschelhaus „Bier-Esel“.
Zum Brauhaus "Zur Henne": Das Gebäude des späteren Brauhauses „Zur Henne“ in der Ehrenstraße 60-62, architektonisch interessant ausgestattet mit einem nicht symmetrischen Doppelgiebel, wurde bereit 1656 erbaut. Vermutlich wurde hier schon zu dieser Zeit gebraut, belegt ist dies aber erst für das Jahr 1798 kurz vor Abschaffung der Zünfte. Brauer war damals ein gewisser Nicolaus Quadt.
Mit den ab 1838 zur Verfügung stehenden Brauereiregistern wird die Bestimmung einfacher. Von 1838 bis 1840 wird die Brauerei als „Brauerei Margaretha Berntgen Wwe.“ geführt. Davor muss die Brauerei also bereits einige Zeit durch den Mann der Witwe Berntgen geführt worden sein. Im Jahr 1840 übernahm Johann Clemens Assenmacher die Brauerei und führte sie als „Brauerei Joh. Clem. Assenmacher“ bis zum Jahr 1844. In diesem Jahr übernahm Ferdinand Lieven die Brauerei und führte sie 23 Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1867. Ferdinand Lieven führte zu dieser Zeit (1844-1849) parallel noch die Brauerei „zum Örtchen“ am Ehrentor 71. Seine Witwe führte die Brauerei noch 5 Jahre weiter („Brauerei Ferd. Lieven Wwe.“), bis Wilhelm Breuer die Brauerei im Jahr 1872 übernahm. Er führte die Brauerei für die nächsten 23 Jahre und verkaufte sein Bier auch auswärts in Flaschen.
Im Jahr 1895 wurde der Braubetrieb eingestellt und die Restauration als „Spezial-Ausschank der Brauerei Gebr. Sünner“ weiterbetrieben. Insbesondere in den 1920er Jahren war es eines der beliebtesten und bekanntesten Kölner Wirtshäuser überhaupt. Bei einem Bombenangriff im Jahr 1943 wurde das Gebäude vollständig zerstört und nicht wiederaufgebaut. Besonders interessant ist die nachstehende Postkarte PKZH001 aus dem Jahr 1903, auf der schon mit Echt Kölsch als Biersorte geworben wird.
 
(PKZH001) [22]
Postkarte der "Wirtschaft zur Henne von Friedrich Händel" "Spezial-Ausschank der Brauerei Gebr. Sünner, Kalk" aus dem Jahr 1903
(PKZH001 Detail) [22]
Detailausschnitt aus der nebenstehenden Postkarte. Zu lesen ist "Ausschank von obergärigem Bier - Echt Kölsch". Das es sich beim Ausschank um Bier der Sünner-Brauerei handelt, ist dies die erste mir bekannte Benennung der Biersorte Kölsch bei Sünner
(FZH001) [22]
Foto der Restauration "Zur Henne" des Kölner Fotografen August Sander aus dem Jahr 1930
(K001)
Porzellanverschluss einer Bierflasche. Um 1890, als die Brauerei von Wilhelm Breuer gefühlt wurde
(unbekannte Sammlung)
(W027) [43, 11.04.1907]
Anzeige der Restauration P. Bertus aus Bensberg. In Angebot u.a.: Bier der Zechenbrauerei Gebr. Sünner
(W024) [38, 30.05.1908]
Anzeige des Colonia-Restaurant, Spezialausschank der Brauerei Gebr. Sünner. Anzeige aus dem Jahr 1908
 
(026) [38, 03.11.1917)
Weitere Werbung für das Colonia-Haus aus dem Jahr 1917

 

(W025) [38, 31.05.1914]
Werbung für die gesamte Sünner-Produktpalette aus dem Jahr 1914
(106) [39, 13.05.1928]
Gemeinsame Anzeige der Kölner Großbrauereien aus dem Jahr 1928. Die industriell untergärig brauenden Brauereien hatten mit der Konkurrenz außerhalb von Köln, insbesondere der Dortmunder Brauereien zu kämpfen. Deshalb appellierten sie an den Lokal-Patriotismus der Kölner
(W141) [42, 07.05.1920]
Der Westfälische Hof schenkt aus: Märzenbier der Brauerei Gebr. Sünner. Anzeige aus dem Jahr 1920
(W031) [34, 30.11.1935]
Anzeige des Sünner Brauerei-Ausschank "Zur Henne" aus dem Jahr 1935

Zum "Bier-Esel": Der Bier-Esel blickt auf eine lange Historie zurück. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1297. Im Jahr 1873 wurde der Braubetrieb eingestellt und das Gebäude abgerissen. Der Neubau diente zuerst anderen Zwecken, bis die Sünner-Brauerei das Gebäude am 13. Februar 1892 erwarb und fortan als Brauerei-Ausschank betrieb. In den 1910er Jahren spezialisierte sich der Bier-Esel auf frische Seemuscheln und trägt seither den Beinamen "Erstes Kölner Muschelhaus". Der Bieresel existiert heute noch unter ähnlichen Rahmenbedingungen (Muscheln und Bier von Sünner).
Eine ausführliche Unternehmensgeschichte des Bier-Esel finden sie hier:
 
 
(FBE001) [30]
Foto des "Bier-Esel", "Restauration von Fritz Minden", vermutlich aus den 1910er Jahren. Zu lesen ist weiter "Brauerei Ausschank Gebr. Sünner Kalk. Rechts daneben befindet sich der "Wein-Esel" von Jacob Göbbels
(PK001)
Postkarte des "Brauhaus zum Esel" aus dem Jahr 1902
(unbekannte Sammlung)
(PK002) [32]
Postkarte des "Brauhaus zum Esel" aus dem Jahr 1913.
"Erstes Kölner Muschelhaus"
        

In Deutz wurde in der Zwischenzeit (1915) die Deutzer Hängebrücke fertig gestellt, welche die alte Schiffbrücke überflüssig machte. Auch der Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft wurde abgerissen, da die Strecke im Jahr 1909 stillgelegt wurde. Weiter wurden die Uferbefestigungen gegen das immer wieder eindringende Rheinhochwasser errichtet. Die Brauerei Sünner erkannte die Gunst der Stunde und errichtete am Rheinufer in unmittelbarer Nähe zur alten Brauerei im Jahr 1920 die „Sünner Terrassen“. Diese entwickelten sich, insbesondere auf Grund des direkten Blicks auf die Kölner Altstadt mit Dom, zu einem beliebten Ausflugsziel der Kölner und Werbeträger der Sünner Brauerei. Mitte der 1960er Jahre kam dann das Ende der Sünner-Terrassen, da an ihrer Stelle das Lufthansa-Hochhaus errichtet wurde. Heute steht dort das Verwaltungsgebäude der Lanxess AG.
 
(F015) [22]
Foto der ehemaligen Brauerei in Deutz im Rhein-Hochwasser des Jahres 1920. Nach der Einstellung der Brautätigkeit im Jahr 1908 wurde das Deutzer Stammhaus als Brauereiausschank betrieben
(F017) [22]
Blick in das Brauhaus in Deutz, zu sehen ist der Bierausschank
(F016) [22]
Blick in das Brauhaus in Deutz, zu sehen ist der Spirituosenausschank (180° gedrehte Perspektive zu F017)
(F014) [22]
Blick in den Biergarten der Brauerei in Deutz, vermutlich um 1900
(W022) [38, 15.10.1910]
Anzeige des Restaurant "Colonia-Haus" aus dem Jahr 1910. Im Ausschank: "Sünnerbräu-Tafelbier"
 
(F023)
Foto der Sünner-Terrassen aus dem 1930er Jahren. An der Aussicht war wirklich nichts auszusetzen 
(PK006)
Postkarte "Blick von der Sünner-Terrasse",
gelaufen 1940er Jahre
 
 
(PK003)
Postkarte "Blick von der Sünner-Terrasse",
gelaufen 1942
(F005) [unbekannt]
Foto der Sünner Terrasse, vermutlich aus den 1950er Jahren
 
                                                                                  
(WR003) [38, 11.08.1928]
Sünner-Bäu im Ausschank des Restaurant Riesenbrauhaus. Anzeige aus dem Jahr 1928
(W023) [34, 05.04.1936]
Anzeige für Sünner Wacholder Geist aus dem Jahr 1936
(W012) [34, 01.01.1936]
Neujahrsgrüße des Restaurant "Zur Zeche" zum neuen Jahr 1936

An 1. Oktober 1921 wurde die Sünner-Brauerei von einer offenen Handelsgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Persönlich haftende Teilhaber waren Albert Sünner jun., Dr. Alexander Sünner, Ernst Sünner und Christian Sünner, dies bereits in der dritten Unternehmensgeneration. Nicht ganz klar ist, welcher Christian Sünner hier gemeint ist. Christian Sünner sen., der meist als der eigentliche Firmengründer genannt wird, lebte von 1798 bis 1873. Sein Sohn, Christian Sünner jun. starb im Jahr 1888. Vermutlich war der hier genannte Christian Sünner ein Familienmitglied der dritten Generation, die genauen Familienverhältnisse sind aber unklar.
Und noch ein Artikel aus dem Jahr 1929 würdigt die Brauerei wie folgt [21]:
Zu den ältesten Brauereien von Köln-Deutz-Kalk zählt die Brauerei und Brennerei Gebrüder Sünner, die seit rund hundert Jahren im Besitz derselben Familie ist. Sie wurde 1830 gegründet von Christian Sünner in dem heute noch stark besuchten Stammhaus an der Deutzer Freiheitsstraße 3, gegenüber der ehemaligen Schiffbrücke. Im Jahre 1859 wurde die Brauerei nebst der Brennerei nach Kalk verlegt und im Laufe der Jahre zu einem der größten Unternehmen dieser Art in Köln ausgebaut. Mit der neuen Brauerei ist das stattliche Garten Restaurant "Zur Zeche" verbunden, das heute noch zu den gediegensten Gaststätten des industriellen Vorortes Kalk zu rechnen ist. Die Brauerei wird nächstes Jahr ihr 100jähriges Jubiläum festlich begehen.
Im Jahr 1929 stirbt Albert Sünner jun und Friedrich Sünner tritt als Gesellschafter der Unternehmensführung bei. Friedrich Sünner ist einer von 3 Söhnen von Albert Sünner jun. und vertritt damit schon die vierte Unternehmensgeneration. Ein Jahr später im Jahr 1930 ziehen sich Ernst Sünner und Christian Sünner jun. aus der Unternehmensführung zurück und das Unternehmen wird nur noch von der Zweierspitze Dr. Alexander Sünner und Friedrich Sünner geleitet. Im Jahr 1934 tritt Kurt Sünner, ein weiterer Sohn von Albert Sünner jun., in die Unternehmensführung ein.
 
(PK004)
Postkarte, gelaufen 1913
Fotopostkarte einer Gruppe Soldaten vor einem Restaurant des Truppenübungsplatzes Elsenborn (Hohes Venn, damals Deutsches Reich, heute Belgien).
Interessant ist die Sünner-Werbung im Hintergrund. Dort wird bereits 1913 mit "Echt Kölsch" geworben. Die meisten der Soldaten halten auch Kölschstangen in den Händen.
 
(F006)
Lastwagen der Sünner-Brauerei, vermutlich um 1920
(unbekannte Sammlung) 
(PK002)
Postkarte, nicht gelaufen, datiert 1928
Restaurant zur Zeche - Sünner Bräu
Köln Kalk, Kalker Hauptstraße 274, Fernr. Kalk 192 - Restaurant. Max Heß.
(unbekannte Sammlung)
(PK010)
Postkarte "Gruss aus Rath-Heumar" mit Außenwerbung für Sünner Export-Bier am Restaurant J. Burger
(unbekannte Sammlung)
 
(F001)
Foto der Gaststätte "Zur Sonne" in Köln-Mülheim aus dem Jahr 1939. Zu sehen sind Werbeschilder von "Sünner Kristall" und "Gaffel-Bräu Qualitäts-Kölsch" 
(unbekannte Sammlung)
 
(F008) [11]
Foto des "Gasthauses von Bertram Lohmar" in Spich, vermutlich um 1940. Zu sehen ist ein Werbeschild für "Sünner Bräu"
 
(F009)
Foto der Gaststätte "zur Laterne" in Köln-Kalk". Zu sehen ist rechts ein Werbeschild für Sünner Bräu
(unbekannte Sammlung)
 
(F010)
Foto einer unbekannten Restauration mit insgesamt 4 Werbeschildern für Sünner-Bräu
(unbekannte Sammlung)
(W006) [22]
Werbung der Brauerei aus dem Jahr 1917
(F030) [29]
Restauration "Bier Esel", vermutlich 1910er Jahre.
"Brauerei-Ausschank Gebr. Sünner Kalk"
(W001)
Zeitungswerbung aus dem Jahr 1929
"Spezialausschank Sünner-Terrasse an der Hängebrücke"
(W002)
Zeitungswerbung aus dem Jahr 1929
"Rein und edel wie sein Name!"
"Machen Sie einen Versuch mit Sünner-Bräu Kristall, es erhöht den Umsatz"
 
(ML001) [13]
Die Forbes-Liste der Vergangenheit. Nicht zu glauben, aber schon vor über hundert Jahren gab es Aufstellungen über Millionäre. Hier die Ausgabe der Rheinprovinz Preussen aus dem Jahr 1913. Rechts die Details für Albert und Carl Sünner
(ML002) [13]
Der Erfolg der Brauerei spiegelt sich auch im Vermögen der beiden Sünner-Brüder wieder. Im Jahr 1913 werden beide in der Kategorie "Einfache Millionäre" aufgeführt, was einem Vermögen von 1-2 Millionen Mark entspricht. Eine enorme Summe vor über hundert Jahren. Die Brauerei besitzt alleine 21 Häuser in Köln
(W003) [12]
Werbeanzeige aus dem Jahr 1921
 
(W001) [12]
Werbung vom Brauhaus "In der Zweispann" aus dem Jahr 1921.
Im Ausschank: obergärig Kölsch Sünnerbräu
 
(KM001)
Kapselgeld, vermutlich um 1918
(unbekannte Sammlung)
(W013) [34, 30.06.1934]
Werbung des Restaurant "Zur Zeche" aus dem Jahr 1934
 
(W028) [34, 07.09.1935]
Werbung des Restaurant "Zur Zeche" aus dem Jahr 1935
(W030) [34, 12.09.1936]
Werbung des Restaurant "Zur Zeche" aus dem Jahr 1936
 
(W015) [34, 30.09.1934]
Werbung der Brauerei aus dem Jahr 1934
(W029) [34, 07.09.1935]
Werbung der Brauerei aus dem Jahr 1935
                                                         

Die Grambrinus Brauerei / Westmark Brauerei von Christian Sünner
Christian Sünner (aus der dritten Sünner-Generation) erwarb 1931 die Traditionsbrauerei „Exportbierbrauerei Gambrinus Franz Althoven“ aus Düren. Diese Brauerei wurde bereits 1870 gegründet und existierte seit 1885 auch unter der vorgenannten Firmierung. Unter Christian Sünners Leitung firmierte die Brauerei als "Gambrinus-Brauerei Christian Sünner". Nur 3 Jahre später, im Jahr 1934, fusionierte die Gambrinus-Brauerei mit der bekannten Kölner Aposteln-Brauerei zur Westmark-Brauerei Christian Sünner G.m.b.H. Mit dieser Fusion erfolgte gleichzeitig die Stilllegung der Braustätte in Düren.
Allerdings war der Westmark-Brauerei nicht viel Erfolg beschieden. Im Jahr 1936 übernahm die Hirsch-Bräu AG aus Köln die Westmark-Brauerei und legte die Braustätte still. Die ausführliche Unternehmensgeschichte der Westmark-Brauerei / des Aposteln-Bräu finden Sie hier:
 
(G001)
Westmark Brauerei Christian Sünner G.M.B.H.
5/20 L geeicht
(Sammlung Mühlens)
 
(K003)
"Gambrinus Brauerei, "Christian Sünner", "Düren"
(Sammlung Wukasch) 
(002)
"Gambrinus Brauerei" "Christian Sünner Düren".
(unbekannte Sammlung)

Von der Nachkriegszeit bis heute
Die Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg trafen die Brauerei hart. Das als Brauereiausschank betriebenen Stammhaus in Deutz wurde völlig zerstört und nach dem Krieg nicht wiederaufgebaut (wohl aber die nahegelegenen Sünner-Terrassen).
Auch die Brauerei in Kalk war erheblich zerstört worden. Der Wiederaufbau dauerte bis in die fünfziger Jahre. Die alten Gebäude wurden originalgetreu restauriert, die Brauerei modernisiert und teilweise erneuert. Das Sudhaus war zerstört worden und wurde erst 1958 wieder in Betrieb genommen. Die Restauration „Zur Zeche“ wurde zuerst nicht wieder aufgebaut.
Dem Trend der Kölner Brauereien folgend setzt Sünner in den folgenden Jahren immer mehr auf die Biersorte Kölsch. Die Produktion des bis dahin bekanntesten Bieres von Sünner, dem Sünner Kristall, wurde 1972 eingestellt. Sünner Pils wurde noch bis zu Beginn der 1990er Jahre produziert, Malzbier wird auch heute noch produziert.
Im Jahr 1976 ändert sich die Gesellschaftsform in „Brauerei und Brennerei Gebr. Sünner GmbH & Co. KG”, Gesellschafter blieben weiterhin Friedrich und Kurt Sünner.
 
(F004)
Führpark der Brauerei, vermutlich Ende der 1950er Jahre
(unbekannte Sammlung) 
 
(F002)
Vermutlich ein Messestand zur Anuga in den 1950/60er Jahren
(unbekannte Sammlung)
(W008) [27]
Werbung der Brauerei aus dem Jahr 1967 
 
(F031) [33]
Foto der Brauerei aus dem Jahr 1979
(F031) [33]
Foto der Brauerei-Nebengebäude aus dem Jahr 1979

 

                                                                                              

Im Jahr 1985 trat das einzige Kind von Franz Sünner, Ingrid Müller Sünner, als Gesellschafterin in die Geschäftsführung ein, von 1998 bis 2008 war sie Geschäftsführerin der Brauerei. Seit dieser Zeit wird die Brauerei von einer Frau geführt. Pikanterweise heiratete Ingrid Sünner im Jahr 1970 Herman R. Müller. Dieser war kein unbekannter in der Kölner Brauszene, sondern ein Gesellschafter in der Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG, einem der größten Player auf dem Kölner Biermarkt. Dennoch gingen und gehen Sünner und Früh völlig unabhängige Wege.
Im Juni 1996 wird ein Brauerei-Biergarten eröffnet, genau an der Stelle, an der sich bereits früher die Restauration „Zur Zeche“ befand.
Im Jahr 2002 beschäftigt die Brauerei ca. 60 Mitarbeiter bei einer Produktion von ca. 50.000 hl pro Jahr. Der Fassbieranteil, dass meist wichtigste Standbein einer mittelständischen Brauerei, beträgt zu dieser Zeit 70%.
Astrid Müller DuMont, die Tochter von Ingrid Müller Sünner, übernimmt im Jahr 2008 die Geschäftsführung der Brauerei und führt das Unternehmen bis heute. Der Name Sünner ist damit leider verschwunden.
Stand 2020 bietet die Brauerei eine große Palette an Produkten an. Im Angebot sind:

Sünner Kölsch (das führende Produkt der Brauerei)

Sünner Hefeweizen

Sünner Lager (ähnlich wie das bis 2012 produzierte BioColonia (ungefiltertes (Bio-) Kölsch nach Vorbild des Kölsch-Vorgängers „Wieß“)

Sünner Malz (alkoholfreier Malztrunk)

Sünner Kölsches Wasser mit/ohne (Tafelwasser aus dem eigenen Brunnen)

Sünner Kölsches Wasser *pink, *orange und *grün (Limonade, seit 2013 im Angebot)

„Hircus“ Malz-Bock (seit 2017)

Sünner No. 1 (Weizenbrand)

Wacholdergeist

Sünner Feiner Korn

Sünner Doppelkorn

Sünner Mälzchen (Malzlikör)

Sünner Dry Gin No. 260

Sünner Akrobat (Kräuterlikör)
 

Weiter ist und war Sünner bekannt dafür, im Rahmen von Lohnsud-Verträgen für viele andere Brauereien und Getränkemärkte zu brauen bzw. gebraut zu haben:

Traugott Simon Kölsch (für den Krefelder Getränkevertrieb trinkgut, seit 2007)

Colonius Kölsch (für den Discounter Netto, seit 2016)

Cramer obergärig, Edel-Pils und Malz (für die Brauerei Cramer aus Nideggen)

Schmitz Kölsch (für das Lokal Salon Schmitz auf der Aachener Straße, seit 2010)

Stattgarde Kölsch (für die StattGarde Colonia Ahoj e.V., einem mehrheitlich schwulen Kölner Karnevalsverein, seit 2010, saisonal in der fünften Jahreszeit gebraut)

Severins Kölsch (für die Brauerei Schopen aus Bedburg, von 1978 bis vermutlich 2011)

Winnetou Kölsch (einmalige Marketing-Aktion der Firma Touring Sport aus Köln)
 

Fazit
Die Sünner-Brauerei rühmt sich zurecht, die älteste Kölsch-Brauerei der Welt zu sein. Für den Liebhaber der Kölner Brauereihistorie aber noch wichtiger, sie ist überhaupt die älteste noch heute produzierende Brauerei in Köln. Und weiter findet die Produktion nicht in einen nüchternen Zweckbau aus den 1970/80er Jahren statt, wie bei manch anderer Kölner Brauerei, sondern in dem schönen historischen Klinkerbau aus dem Jahr 1890. Weiter ist die Brauerei seit Gründung ausschließlich in Familienbesitz.
Um so bemerkenswerte ist auch, dass die mit ca. 40.000 hl Jahresproduktion im Zahlenvergleich eher kleine Brauerei es überhaupt schafft, im umkämpften und von Markenkonzentration geprägten Kölner Bier-Markt zu überleben. Sie ist damit die letzte Kölner Brauerei dieser Größenordnung, alle in der Größe mehr oder weniger vergleichbaren Brauereien sind mittlerweile verschwunden. Fast alle dieser Brauereien wurden von der Konzernbrauerei „Haus Kölscher Brautradition“ (gehört zur Radeberger Gruppe / Dr. Oetker) nach dem Motto „Übernehmen, Braustätte stilllegen, Vertragsgaststätten mit eigenen „Premium-Marken“ ausstatten“ plattgemacht.
Anfang Oktober 2021 kam dann völlig überraschend die Nachricht, dass die Brauerei zur Malzmühle zum 1. Januar 2022 die Brauerei Sünner übernimmt [35, 36, 37]. Die Verluste der Sünner-Brauerei wegen der Corona-Restaurantschliessungen müssen wohl dramatisch gewesen sein, sonst hätte man bei Sünner einen solchen Schritt nicht in Betracht gezogen. Da hat die Brauerei zur Malzmühle wohl die Gunst der Stunde genutzt, den deren Braustätte mitten in der Kölner Altstadt war nicht mehr ausbaufähig gewesen, da sie gegen den Trend ihren Absatz in den letzten 10 Jahren um 50% auf jetzt 51.000 hl steigern konnte. Der Kaufpreis wird nicht genannt, er soll aber im hohen einstelligen Millionenbereich liegen (allein das Sünner-Grundstück umfasst 12.500 Quadratmeter). Laut Aussage der Brauerei zur Malzmühle soll alles aber so bleiben wie es ist. D.h. alle Sünner Biere, Spirituosen und Limonaden sollen weitergeführt werden, ebenso sollen alle Sünner-Mitarbeiter übernommen werden. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Firmierungen der Braustätte in Deutz:
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1830 – 1846 Brauerei "Zum Schiffgen", Franz Hess (Freiheitsstraße 3)  
1846 – 1870 Brauerei Christian Sünner  
1870 – 1871 Brauerei Christian & Albert Sünner  
1871 – 1884 Brauerei Gebr. Sünner  
1884 – 1905 Brauerei Albert & Franz Sünner  
1905 – 1908 Brauerei Albert Sünner  
 
 
Firmierungen der Braustätte in Kalk:
Zeitraum Firmierung Anmerkung
1860 – 1869 Brauerei Christian Sünner sen. Frankfurter Straße 184, später umbenannt in Kalker Hauptstraße 260
1869 – 1872 Brauerei Christian Sünner sen., Inh. Chr. Sünner jun. & Franz Sünner  
1872 – 1888 Zechenbrauerei und Brennerei Chr. Sünner  
1888 – 1922 Brauerei und Brennerei Gebr. Sünner  
1922 – 1976 Brauerei und Brennerei Gebr. Sünner K.G.  
1976 – dato Brauerei Gebr. Sünner GmbH & Co. KG  
 
 
Stammbaum des Brauerei-Zweigs der Familie Sünner (nicht vollständig):
                                                                                              
 

Historische Warenzeichen
(WZ001)
Warenzeichen des Sünner-Logos, eingetragen 1909
 
(WZ004)
Warenzeichen "Sünner-Bräu", eingetragen 1930
(WZ005)
Warenzeichen "Sünner", eingetragen 1930
(WZ001)
Warenzeichen "Sünner-Bräu Kristall", eingetragen 1930
 
(WZ006)
Warenzeichen "Sünner-Bräu Bitter-Kristall", eingetragen 1933
(WZ001)
Warenzeichen für Sünner Wacholder Geist, eingetragen 1937
 
(WZ003)
Warenzeichen "Sünner Bräu Kristall, eingetragen 1927
(WZ008) [9]
Wort- und Bildmarke aus dem Jahr 1934
 
 

Sonstige Aktivitäten der Familie Sünner
Außer dem Betrieb der Brauereien in Deutz und Kalk waren Mitglieder der Familie Sünner auch noch auf anderem Gebieten aktiv:
Karl Sünner war, gesichert im Jahr 1911, Geschäftsführer der Kölner Farbebier-Brauerei [23]. Über die Brauerei selbst ist sehr wenig bekannt. In einem Brauereiverzeichnis aus dem Jahr 1910 [8] wird sie wie folgt beschrieben: "Farbebier-Brauerei-Gesellschaft m. b. H., Folterstr. 86. Inh.: G.m.b.H. Geschf.: Carl Schlömer u. Joh. Weber. F.: 1899.".
Nach dem Tod ihres Mannes wird die Witwe Ernst Quambusch, Emilie Elise genannt Emmy geb. Sünner, Apothekenbesitzerin aus Köln-Deutz, am 17.05.1921 neue Inhaberin der "Ernst Quambruch Loewen Apotheke" [23].
Im Jahr 1905 wurde in der Aachener Straße 5 das "Colonia Haus" errichtet. Das Colonia Haus war als Lichtspielhaus und Veranstaltungshaus konzipiert. Es wurde zuerst überwiegend von der benachbarten Kölner Oper, welche damals noch am Rudolfplatz lag, genutzt. Von 1936 bis 2018 war im Colonia Haus das Millowitsch Theater beheimatet. Das Gebäude ist das letzte noch erhaltene Gebäude aus dieser Zeit am Rudolfplatz.
Parallel dazu gab es die "Coloniahaus Gesellschaft mit beschränkter Haftung". Ob dieser das Gebäude gehörte oder ob sie es nur verwaltete ist mir nicht bekannt. Am 29.08.1922 traten Ernst Sünner und Dr. Alexander Sünner als persönlich haftende Gesellschafter an Stelle der Gesellschaft selber in die Gesellschaft ein (klingt merkwürdig, war aber so). In den Folgejahren tauchen noch weitere Familienmitglieder als Geschäftsführer oder Gesellschafter auf, namentlich Albert Sünner, Chrisitian Sünner und Ernst Sünner. Am 23.02.1942 trat anstelle der Einzelpersonen die Firma Gebr. Sünner als persönlich haftende Gesellschafterin ein. Bekannt ist noch, dass das Coloniahaus im Jahr 1960 an die "Freie Volksbühne Köln e.V." verkauft wurde. Weitere Hintergründe oder Details sind leider nicht bekannt [23]
Am 02.07.1929 wurde die "Dr. ing Siller, Aktiengesellschaft für komprimierte Gase" gegründet. Das Grundkapital betrug 60 000 Reichsmark. Den Vorstand bildete Herman Goldan, Gründer waren: Dr.-Ing. Willhelm Siller, Frau Dr.-Ing. Siller, Elisabeth, geb. Reichling, Dr. jur. Robert Siller, Dr. jur. Alexander Sünner, Dr. med. Karl Ortmann.
Karl Sünner, der Onkel von Alexander Sünner, war mit Emilie Sünner, geb. Siller verheiratet, welche nach seinem Tod auch für kurze Zeit als Gesellschafterin in die Brauerei einstieg. Vermutlich ist hieraus die auch hier auftretende Kombination Sünner-Siller zu erklären.
Am 04.10.1934 wurde die "Hasko Kornbrennerei Gesellschaft mit beschränkter Haftung" in Essen-Altenessen gegründet. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb von Kornbrennereien, insbesondere der Brennerei J. Hasebrink zu Essen-Altenessen, der Einkauf und Verkauf von Spirituosen, Weinen, Fruchtsäften, Limonaden, alkoholarmen und alkoholfreien Getränken. Das Stammkapital betrug 20 000 Reichsmark. Geschäftsführer war Ernst Sünner. Was aus der Gesellschaft geworden ist, ist nicht bekannt.
 

Anmerkungen
» Christian Sünner jun. war auch kreativ in der Verbesserung der Brauverfahren und der dazugehörigen Qualitätssicherung. Am 24.04.1913 ließ er sich zusammen mit Carl Eduard Breiwitsch unter der Nummer 421 B. 71676 ein Patent für eine „Probenentnahmevorrichtung für Würze- bezw. Bierproben zu biologischen Untersuchungen“ eintragen. [23]
» Christian Sünner wurde sogar mit einem Straßennamen gewürdigt. Die Christian-Sünner-Straße beginnt ca. 300 Meter südlich von der Brauerei entfernt, ist nur ca. 400 Meter lang, aber immerhin.
» Die 1890 in Betrieb genommene Dampfmaschine war bis in die 1930er Jahre in Betrieb und ist heute noch erhalten und kann im Rahmen einer Brauereiführung besichtigt werden. Für Technikfans hier die Daten [15]: Hersteller: Maschinenfabrik Germania vorm. J. S. Schwalbe & Sohn, Chemnitz, Bauzeit: 1890, Fabrik-Nummer: 140. Beschreibung: Eine liegende Dampfmaschine mit Bajonettrahmen, Ausklink-Ventilsteuerung und Gewichtsregler mit stehenden Kugeln. Die Kolbenstange geht nach hinten durch. Eine liegende, einzylindrige Kältemaschine (NH3-Kompressor) ist am anderen Ende der Kurbelwelle. Diese hat einen massigen Bajonettrahmen und einen Marinekreuzkopf (nur untere, ebene Gleitbahn und zwei obere Führungsleisten. Ursprünglich auch Transmissionsbetrieb eines Gleichstromgenerators und einer weiteren Kältemaschine. Patentangabe auf dem Typenschild: D.R.P. Nr. 36177.
» Astrid Schmitz-DuMont, die Sünner-Chefin seit 2009, wollte im Jahr 2010 eine neue Kölsch-Marke, das „DuMont Kölsch“ auf den Markt bringen. Trendig in Weißglas-Flaschen, zielorientiert auf die Jugend ausgerichtet. An sich ja kein Problem, wäre da nicht der fast gleichnamige Verlag. Wobei nicht der Verlag, sondern Verlegersohn Konstantin Neven DuMont (u.a. Express, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung) die Markenrechte gefährdet sah und eine einstweilige Verfügung erwirkte. Sünner musste daraufhin die Einführung von DuMont Kölsch stoppen. Da sich beide Seiten bei einem Gütetermin vor dem Landgericht Köln Anfang September 2010 nicht auf einen Kompromiss einigen konnten, bestand die einstweilige Verfügung zunächst fort. Erst im Jahr 2011 waren die gerichtlichen Fronten geklärt, Sünner bekam Recht und das DuMont Kölsch war daraufhin in einigen Getränkemärkten erhältlich. Allerdings verschwand es mangels Erfolges auch schnell wieder vom Markt.
» Heirat unter Kölner Brauereifamilien? Nicht unüblich in Köln! Ingrid Müller Sünner, von 1998 bis 2008 Geschäftsführerin der Sünner-Brauerei, heiratete im Jahr 1970 Herman R. Müller, einen Gesellschafter der Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG, einem der größten Player auf dem Kölner Biermarkt. Dies war allerdings nicht das erste Mal. Christian Sünner (welcher der vielen ist nicht ganz klar) war, gesichert 1914, verheiratet mit Katharina Sünner geb. Balchem, einer Gesellschafterin der Karthäuserbrauerei Gebr. Balchem [23].
Die Brauerfamilie Früh hat allerdings noch einen drauf gesetzt. Beide Töchter des Firmengründers Peter Josef Früh heirateten in die Immendorfsche Braudynastie ein. Netty Früh heiratete den Brauer Jakob Immendorf (1885-1966), Christel Früh dessen Bruder Peter Josef Immendorf (1888-1958). Jakob Immendorf führte die Schmitzsche Brauerei aus der die Union-Brauerei und später die Hubertus-Brauerei hervorging.
» Am 21.11.1940 wurde die "Unterstützungskasse der Firma Gebr. Sünner Gesellschaft mit beschränkter Haftung" gegründet. Gegenstand des Unternehmens: Gewährung von einmaligen oder laufenden Unterstützungen an jetzige, frühere und künftige Mitglieder der Betriebsgemeinschaft der Frima Gebr. Sünner in Köln-Kalk und deren Angehörige in Fällen der Not oder der Arbeitslosigkeit. Zu den Unterstützungen gehören auch Witwen-, Waisen- und Sterbegelder, soweit diese ohne Beeinträchtigung der Körperschaftsfreiheit der Kasse gezahlt werden können. Stammkapital: 20 000 RM. Geschäftsführer: Friedrich Sünner, Josef Pemsl, Braumeister.
 

Gläser
(G001)
Sünner Bräu, 6/20 L geeicht
(Sammlung Mühlens)
 
(G002)
Sünner Bräu, Emaille/Lithografie, 0,5 l geeicht
(Sammlung Mühlens)
(G004) 
Sünner Bräu, 6/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 
(G003) 
Sünner Pilsner, 6/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 
(G005)
Sünner-Kristall, 0,25 l geeicht
(unbekannte Sammlung)
 

Glas-Krüge
(GK004)
Sünner Bräu, 7/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 
(GK006)
Sünner Bräu, 6/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
(GK002)
Sünner-Bräu, 6/20 l geeicht
(unbekannte Sammlung)
(GK007)
Sünner Bräu, 5/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 
(GK008)
Sünner Bräu, 7/20 L geeicht (es gibt auch eine Variante in 6/20 L)
(unbekannte Sammlung)
 
(GK003)
Sünner Bräu, 7/20 L geeicht
(unbekannte Sammlung)
 
(GK009)
Sünner Bräu, 7/20 L geeicht
(Sammlung Mühlens)
 
      (GK001)
Sünner-Bräu Pilsner, 0,4 L geeicht (es gibt auch eine Variante in 7/20 L)
(Sammlung Mühlens)
 
(GZ002)
Brauerei Gebr. Sünner Kalk
0,4 L geeicht
(um 1900)
(GZ001)
Brauerei Gebr. Sünner Kalk
0,4 L geeicht
(vor 1910)

Ton-Krüge
(K001)
Sünner-Bräu, 1/2 L vorne geeicht
(Sammlung Mühlens) 
 
(K003)
Sünner-Bräu, 0,5 L geeicht
(Sammlung Mühlens)
(K004)
Sünner-Kristall
(Sammlung Wukasch)
(K006)
Sünner-Bräu
(Sammlung Wukasch)
(K007)
Sünner-Bräu, gibt es in grau und elfenbeinfarbig
(Sammlung Wukasch)
(K005)
Sünner Bräu (ab hier Nachkrieg)
(Sammlung Wukasch)
                            
(K008)
Sünner
(unbekannte Sammlung)
(K010)
Sünner Biere - ausgezeichnet!
(Sammlung Wukasch)
 
(K011)
Sünner Bräu
(Sammlung Wukasch)
(K009)
Sünner
(Sammlung Wukasch)
(K012)
Sünner Pils
(Sammlung Wukasch)
  
(K010)
Sünner Biere - ausgezeichnet!
(Sammlung Wukasch)
 
(K015)
Sünner Biere - ausgezeichnet!
(Sammlung Wukasch)
 
(K016)
Sünner Biere - ausgezeichnet!
(unbekannte Sammlung)
 
(K017)
Sünner Biere - ausgezeichnet! Kanne
(Sammlung Wukasch)
 
   
(K002)
Sünner Kölsch, nicht historisch (70er Jahre), aber (wohlwollend formuliert) ungewöhnlich
                                                                                                       

Etiketten
   
(E057) [Sammlung Mittenzwey]
Flaschenetikett "Zechen-Brauerei Export-Bier Original-Füllung Gebr. Sünner, Deutz-Kalk."

 

                                                                                       
 
(033)
Süßbier, vermutlich VK
(Sammlung Mittenzwey)
 
(036)
Sünner Pils, 1950er Jahre
                                                     
(038)
Sünner Pils, 1950er Jahre 
 
(040)
Sünner Echt Kölsch, 1950er Jahre 
(037)
Sünner Bock, 1950er Jahre 
 
(032)
Sünner Malzbier, vermutlich 1940er Jahre
(Sammlung Mittenzwey)
(031)
Sünner Malzbier, vermutlich 1950er Jahre
(Sammlung Mittenzwey)
                                                                               

Bierdeckel
(063)
Sünner Bräu, Schutzmarke
(unbekannte Sammlung)
(064)
Sünner Bräu
(unbekannte Sammlung) 
(035)
Sünner Pils, schmeckt immer
(unbekannte Sammlung)
 
(034)
Sünner Bräu
(unbekannte Sammlung)
 
(060)
Sünner Bräu
(unbekannte Sammlung)
 
(035)
Sünner Pils, schmeckt immer!
(unbekannte Sammlung)
 
(034)
Sünner Kristall
(unbekannte Sammlung)
 
(036)
Sünner Kristall
(unbekannte Sammlung)
 
(061)
Sünner Bitter-Kristall
(unbekannte Sammlung)
 
(062)
Sünner Korn "Reiner Korn!"
(unbekannte Sammlung)
 
(067)
Sünner Bräu "Kristall"
 
(057)
Sünner Bräu "Kristall"
 
   
(034)
Sünner Echt Kölsch
                                                                                                                                                        
 

Prägeflaschen (verlinkt mit www.praegeflaschen.de)
 
(203) (060) (049)  
ca. 0,35l, manuell hergestellt ca. 0,5l, manuell hergestellt,
sehr ungewöhnliche Farbvariante
 
ca. 0,35l, maschinell hergestellt,
ähnlich 203
                                                                   
 
(1013) (173) (048)   
"1/2 Ltr.", maschinell hergestellt
(Sammlung Liesack)
ca. 0,5l, maschinell hergestellt  ca. 0,5l, maschinell hergestellt   
 

Informationen aus Brauereiverzeichnissen, Braustätte Deutz
1898 Sünner, Alb. & Franz, Deutz, Freiheitstr. 3.

Informationen aus Brauereiverzeichnissen, Braustätte Kalk
1898 Sünner, Gebr., Br. „Z. Zeche“.
Inh.: Carl, Albert u. Franz Sünner. Ggr.: 1860. Brm.: Peter Erken. – Dampfb. Untergähr. Bier. – Flaschenversandt.
1910 Sünner, Gebr., Brauerei u. Brennerei
Hauptstr. 206. Inh.: Carl u. Albert Sünner. Ggr.: 1860. Brm.: Christian sünner. F.: 36. - Dampfb. - Fl.-V. (ober- und untergärige Biere).
1934 Gebr. Sünner, Komm.-Ges., Brauerei u. Brennerei, Köln-Kalk, Hauptstraße 260.
Gegründet: 1830. Postsch.-Konto: Köln 59987. Sammel-Nr. 10 341. Bankverbindung: Dresdner Bank, Köln. Geschäftsjahr: 1. 10.—30. 9.
Inhaber: Dr. Alexander u. Friedrich Sünner. Braumeister: Josef Pemsl. Betrieb: Maschinenanlage u. Sudhauseinrichtung für 50 Ztr. Schüttung (Germania). Produktion: Untergärige Biere. Spezialbier: „Kristall". Obergäriges Bier: St. Urban Bräu, Echt Kölsch. Reine Kornbranntweine. Schutzmarke: Siehe Wort- u. Warenzeichenregister.
1939 Gebr. Sünner, K.G., Brauerei und Brennerei, Köln-Kalk, Hauptstraße 260
Fernruf: 10341. Gründung: 1830. Produktion: Untergärige Biere, Branntwein. Spezialitäten: Sünner Kristall, Sünner Pils; Sünner Korn, Wacholder-Geist.
Geschäftsjahr: 1. Oktober bis 30. September. Inhaber: Dr. Alexander Sünner, Friedrich Sünner, Kurt Sünner. Braumeister: Josef Pemsl.
Bankverbindung: Dresdner Bank, Köln. Postcheckkonto: Köln 50987. Grundbesitz: 18 800 qm, bebaut 9600 qm. Anlagen: Sudhaus, 50 Ztr. Schüttung (System Germania); Maschinenanlage.
Das Unternehmen gehört an: Brauwirtschaftsverband Westdeutschland, Köln; Wirtschaftsgruppe Brauerei und Mälzerei, Berlin - Bezirksgruppe Rheinland. Gefolgschaft: 50 Arbeiter und Angestellte.
 
 
 
Quellen
1 www.suenner-brauerei.de/suenner-historie.html, Hompage der Sünner Brauerei, abgerufen am 29.11.2020
2 "Biergeschichte zwischen Rhein und Erft", Dr. Helmut Wirges, Bienen-Verlag-Bachem 1994, ISBN 3-930870-00-2
3 "Kölsch - History, Brewing, Technigues, Recipes", Eric Warner, Brewers Publications, ISBN 0-937381-58-6
4 Sonderveröffentlichung Nr. 91, Kölner Stadt Anzeiger, 25.4.1996
5 Kölsch Kultur, Detlef Rick, Janus Fröhlich, 2000, Verlag Dumont, ISBN 3-7701-5257-3
6 "Geschichte von Kalk und Umgebung", Heinrich Bützler, Selbstverlag, 1910
7 "Köln-Mülheim in alten Bildern", Bernhard Kempkes, Sutton Verlag 2002
8 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 8. Jahrgang, 1910, Verlag von Eisenschmidt & Schulze GmbH, Leipzig
9 Die Deutschen Brauereien, Firmenjahrbuch des Deutschen Brauer-Bundes, Verlag für Rechts- und Wirtschaftsliteratur A.-G., Berlin u. Leipzig, 1934
10 Die Brauereien und Mälzereien im Deutschen Reich 1939-40, 38. Auflage, 1940, Verlag Hoppenstedt & Co., Berlin
11 Troisdorfer Jahreshefte, Jahrgang XLV 2015, Herausgegeben vom Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf e.V.
12 "Kölner Kneipen im Wandel der Zeit (1846 bis 1921), Lambert Macherey, 1921, Selbstverlag
13 "Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in der Rheinprovinz“, Rudolf Martin, 1913
14 Adressbuch für die gesamte Brau-Industrie Europas, Band I: Deutschland, 1898, Verlag von Eisenschmidt & Schulze, Leipzig
15 www.albert-giesler.de, abgerufen am 29.11.2020
16 https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/2284415, abgerufen am 29.11.2020
17 http://digistory.pageflow.io/sunner#5254, abgerufen am 04.12.2020
18 https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-23340-20111118-2, Website des Landschaftsverbandes Rheinland, abgerufen am 06.12.2020
19 „Spurensuche in Köln - Die Geschichte der Bergbaustadt Kalk“. Artikel des Kölner Stadtanzeigers vom 14.07.2016, Autor: Helmut Frangenberg
20 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutzer_Schiffbr%C3%BCcke, abgerufen am 07.12.2020
21 "Trinkt Kölner Bier - Quer durch Kölner Brauhäuser", Artikel einer Sonderbeilage des Kölner Tageblattes vom Sonntag den 15. Dezember 1929
22 "Prosit Colonia: Die vergessenen und unvergessenen Brauereien, Bier- und Brauhäuser Kölns", Autor: Franz Mathar, Greven Verlag, 1999
23 "Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger", Berlin, Ausgaben 26.01.1887, 29.11.1905, 17.05.1911, 02.10.1913, 24.11.1921, 05.01.1922, 27.04.1922, 29.08.1922, 27.03.1926, 02.07.1929, 08.10.1929, 11.10.1929, 04.06.1930, 04.10.1934, 22.10.1934, 10.03.1939, 21.11.1940, 03.11.1941, 23.02.1942, 01.10.1942
24 Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum, Hrsg.: Wolfgang Wukasch
25 "Köln in Bildern", Verlag Paul Neubner, Köln 1896
26 https://de.wikipedia.org/wiki/Brauerei_%26_Brennerei_Gebr%C3%BCder_S%C3%BCnner, abgerufen am 15.12.2020
27 Greven's Adressbuch für Köln, Ausgabe 1967
28 "Kölner Wirtschaftsarchitektur von der Gründerzeit bis zum Wiederaufbau", Wienand Verlag, 1996
29 "Kölsche Bier- und Brauhäuser", Franz Mathar & Rudolf Spiegel, Greven Verlag Köln, 1989
30 "Köbes noch e Kölsch", Franz Mathar, Greven Verlag köln, 1996
31 https://www.bier-esel.com/willkommen/geschichte, Website des Bier-Esel, abgerufen am 02.04.2021
32 "Köln auf alten Ansichtskarten", Herausgeber: Kölnisches Stadtmuseum, Michael Euler-Schmidt, Asmuth Verlag Köln, 1995
33 "Rheinisches Bildarchiv, rba_mfL005413_02, rba_mfL005419_04, rba_mf161418
34 "Der neue Tag", Ausgaben 30.06.1934, 07.09.1935, 30.11.1935, 01.01.1936, 05.04.1936, 12.09.1936
35 https://www.koeln.de/koeln/nachrichten/lokales/brauerei-malzmuehle-uebernimmt-suenner-in-koeln_1184115.html, abgerufen am 31.10.2021
36 https://www.express.de/koeln/koeln-muehlen-koelsch-uebernimmt-suenner-koelsch-75716?cb=1635668031129,  abgerufen am 31.10.2021
37 https://twnews.it/de-news/interview-mit-muhlen-kolsch-chefs-so-viel-kostete-die-sunner-brauerei,  abgerufen am 31.10.2021
38 Kölner Lokal-Anzeiger, Ausgaben: 01.03.1890, 24.12.1891, 30.05.1908, 15.10.1910, 31.05.1914, 03.11.1917, 13.05.1928, 11.08.1928
39 Kölner Sonntags-Anzeiger, Ausgabe 24.04.1881, 31.10.1886, 08.12.1889, 29.12.1889
40 "Dortmunder Zeitung", Ausgabe 31.10.1885
41 "Kölnische Zeitung", Ausgabe 01.05.1869
42 "Rheinische Volkswart", Ausgabe 07.05.1920
43 "Bensberger Volkszeitung", Ausgabe 11.04.1907