Unternehmensgeschichte der Brauerei "zum Rheinberg" von Johann Adam Steinberg / Albert Weymar
 
 
 
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Unternehmensgeschichte
Die Ursprünge der Brauerei „Zum Rheinberg“ von Adam Steinberg                              
Die „Mülheimer Actien-Gesellschaft für Gaserleuchtung“
Die Zeit der Brauerei bis ins Jahr 1889
Die Brauerei „Zum Steinberg“ unter Albert Weymar
Restauration, Mineralwasser und das Ende
Brauereiwerbemittel
Etiketten & Verschlüsse                                             
Quellen
Quellenverzeichnis                                             

Die Ursprünge der Brauerei „Zum Rheinberg“ von Adam Steinberg
Die „Bayerische Dampf-Bierbrauerei zum Rheinberg von Johann Adam Steinberg“ in der Freiheitstraße 75 in Mülheim war eine der frühen Mülheimer Brauereien. Mülheim war in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts noch eine eigenständige Stadt (Mülheim wurde erst am 1. April 1914 als Kölner Stadtteil eingemeindet) und die in direkter Rheinnähe gelegene Freiheitstraße (heute Mülheimer Freiheit) war die Straße der Bierbrauereien. Von den 22 bekannten Braustätten in Mülheim befanden sich alleine 12 Braustätten in eben dieser Freiheitstraße. Die Betonung "Baierische Bierbrauerei" weist darauf hin, dass untergärig gebraut wurde. Zu dieser Zeit noch eine Seltenheit, da die Eismaschine noch nicht erfunden war und damit Herstellung und Lagerung des Biers viel Aufwand erforderten.
Laut Brauereiverzeichnis [5] wurde die Brauerei von Johann Adam Steinberg im Jahr 1857 gegründet. In Wirklichkeit existierte die Brauerei aber schon wesentlich früher. Die erste bekannte Erwähnung findet sich im Amtsblatt der königlichen Regierung zu Köln aus dem Jahr 1847. Dort steht zu lesen:
[3, 25.08.1847] „…Der Bierbrauer und Wirth Johann Adam Steinberg hierselbst, beabsichtigt in dem hinter seinem Hause in der Freiheitsstraße gelegenen Garten einen Gaßentwicklungs-Apparat, nebst Gasometer, aufzustellen …“.
 
Dies lässt darauf schließen, dass die Brauerei schon vor 1847 gegründet wurde.

Die „Mülheimer Actien-Gesellschaft für Gaserleuchtung“
Zum einen gab es die Brauerei also vermutlich schon vor 1847 und zum anderen befasste sich Johann Adam nicht nur mit dem Bierbrauen, sondern auch mit der Gaserzeugung und der Nutzung des Gases. Der nächste Schritt war im Jahr 1853 eine Ausschreibung zum Bau einer „Gas-Anstalt“ [8] und anschließend wurde am 13. Mai 1854 die „Mülheimer Actien-Gesellschaft für Gaserleuchtung“ gegründet [3].
Johann Adam Steinberg war einer der 6 Gründer und war auch Mitglied im Verwaltungsrat. Die Hälfte der 400 Aktien zu je 50 Thalern übernahm die Stadt Mülheim, der auch nach 15 Jahre Betrieb ein Vorkaufsrecht aller Aktien zugestanden wurde. „Gaserleuchtung“ bezog sich auf die Aufstellung und den Betrieb von gasbetriebenen Straßenlaternen, die zu dieser Zeit in vielen Städten errichtet wurden.
 
(W012) [20.07.1853]
Ausschreibung der Gas-Actien-Gesellschaft in Mülheim zum Bau der "Gas-Anstalt" beim Verwaltungsraths-Mitglied Adam Steinberg
(W013) [20.07.1853]
Die erste Einzahlung auf die Aktien der "Mülheimer Actien-Gesellschaft für Gaserleuchtung" ist fällig. Anzeige aus dem Jahr 1853
                                                                                     

Die Zeit der Brauerei bis ins Jahr 1889
Die erste bekannte Nennung, welche sich auf die Brauerei selbst bezieht, stammt aus dem Jahr 1851. Zum Anlass der Mülheimer Kirmes wirbt Johann Adam Steinberg für ein „… großes Garten-Concert…“ in seinen Baierischen Kunstkeller „Zum Rheinberg“…“. Für 2 ½ Silbergroschen Eintritt wird „…ein Glas vorzügliches baierisches Lagerbier verabreicht…“.
In den Folgejahren gibt es weiter Anzeigen der „Baierischen Bierbrauerei und Kunstkeller „Zum Steinberg““. Ob mit „Kunstkeller“ die Konzerte gemeint waren, oder ob es dort mehr zu sehen gab, ist unklar
In Jahr 1856 taucht Adam Steinberg im Rahmen einer Im Rahmen einer Licitation (Zahlungsunfähigkeit) auf, allerdings nicht als Betroffener, sondern nur als „Nachbar“. Im Rahmen einer Teilungssache sollten insgesamt 27 Grundstücke verkauft werden. Wie damals üblich wurden die Nachbarn der zu verkaufenden Gründstücke aufgeführt (gelegen neben …), man will ja wissen, mit welchen Nachbarn man es zu tun bekommt. Bei nicht weniger als 10 dieser Grundstücke wird Johann Adam Steinberg als Nachbar genannt. Er schien als viel Grundbesitz in der Umgebung von Mülheim (genauer Langenbrück, Rath, Heumar und Refrath) besessen zu haben, vermutlich war er als Brauereibesitzer, Großaktionär der Mülheimer Actien-Gesellschaft für Gaserleuchtung und Grundbesitzer ein sehr wohlhabender Mann.
In den 1860er bis 1880er Jahren taucht Adam Steinberg nicht mehr mit Eigenwerbung, sondern nur noch im Kontext von Zwangsversteigerungen, Immobilienverkäufen und Versammlungen auf, die in der Restauration der Brauerei abgehalten werden. Die letzte diesbezügliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1883.
Vermutlich starb Johann Adam Steinberg im Jahr 1888. Die Brauerei wurde noch kurze Zeit von einer Erbengemeinschaft weitergeführt, bevor sie Anfang 1889 verkauft wurde.
(W009) [8, 19.06.1851]
Erste bekannte Anzeige der Brauerei aus dem Jahr 1851. Es spielt auf das Musikchor des königlich preußischen 8. Cuirassier-Regiment.
 
(W002) [8, 10.06.1852]
Werbung der Brauerei "Zum Rheinberg" von Johann Adam Steinberg aus dem Jahr 1853 
 
  (W001) [8, 26.05.1853]
Werbung der Brauerei "Zum Rheinberg" von Johann Adam Steinberg aus dem Jahr 1853
(W004) [8, 09.07.1854]
Werbung der Brauerei "Zum Rheinberg" von Johann Adam Steinberg aus dem Jahr 1854 
(W004) [8, 19.05.1956]
Werbung der Brauerei "Zum Rheinberg" von Johann Adam Steinberg aus dem Jahr 1854 
(W006) [8, 12.07.1857]
Wollenen Überzieher vergessen! Kein Problem, Adam Steinberg sucht den Besitzer. Anzeige aus dem Jahr 1857
(W007) [8, 15.09.1857]
Zwei bis drei tüchtige Brauergehülfen gesucht. Anzeige aus dem Jahr 1857
(W008) [8, 18.05.1867]
Werbung der Brauerei "Zum Rheinberg" von Johann Adam Steinberg aus dem Jahr 1867  
   
(W006) [8, 12.07.1857]
Gesucht wird ein anständiger Kellner. Anzeige aus dem Jahr 1857
(W015) [8, 05.05.1868]
Gesucht wird ein Brauergesell, der mit Pferden umzugehen versteht. Anzeige aus dem Jahr 1868
                                                                

Die Brauerei „Zum Steinberg“ unter Albert Weymar
Laut Brauereiregister [5] besteht die Brauerei von Adam Steinberg bis zum Jahr 1888. Im selben Brauereiregister taucht ab dem Jahr 1891 unabhängig davon die „Brauerei Albert Weymar“ auf.
Dies ist aber falsch, es handelt sich um ein und dieselbe Brauerei, (siehe die weiter unten abgebildeten Übernahmeanzeige (W014)). Am 14. Januar 1889 erwarb Albert Weymar die Brauerei von der Erbengemeinschaft und führte sie unter gleichem Namen weiter. Was den aus Mühlhausen in Thüringen stammenden Albert Weymar nach Mülheim verschlagen hatte ist unklar. Er stammte aus einer Brauereifamilie, die schon seit 1832 die Burgbrauerei in Mülhausen betrieb.
In den 1880er Jahren wurden neue Hausnummern vergeben, die Brauerei befand sich nur in der Freiheitstraße 59 statt wie vorher in der Freiheitstraße 75.
Warum es erst im Jahr 1894 einen Eintrag der Brauerei ins Mülheimer Firmenregister gab, ist unklar.
[4, 01.06.1894] „…Mülheim a. Rhein. Bekanntmachung. In unser Firmenregister ist am heutigen Tage unter Nr. 300 die Firma Albert Weymar „Brauerei Steinberg“ zu Mülheim am Rhein und als deren Inhaber der Bierbrauereibesitzer Albert Weymar daselbst eingetragen worden. Mülheim a. Rhein, den 29. Mai 1894. Königliches Amtsgericht. Abth. I…“.
 
Albert Weymar war wohl technisch begabt, wie sich aus folgenden Patentanmeldungen aus den Jahren 1886 (also noch zu der Zeit als er in Mühlhausen tätig war) und 1891 schließen lässt.
[4, 29.03.1886] Ertheilung von Patenten. Klasse VI. Nr. 35 517. Läuter-Saugapparat für Brauereien. - A. Weymar in Mühlhausen i, Thür., Burgbrauerei. Vom 20. August 1885 ab.
 
[4, 24.03.1892] „…Klasse 42. W.8093. Maßstab zur Ermittlung der Höhe von Flüssigkeiten mit bewegter Oberfläche – Albert Weymar in Mülheim a./Rhein, Freiheitstr. 59. 30 Dezember 1891…“
 
Albert Weymar betrieb die Brauerei noch bis ins Jahr 1898. In diesem Jahr kehrte er nach Mühlhausen zurück und übernahm mit seinem Bruder die im Familienbesitz befindliche Burgbrauerei sowie eine Mälzerei. Für die Brauerei in Mülheim gab es keinen Nachfolger, sie wurde geschlossen und nur die Restauration weiterbetrieben
Die letzten Informationen über Albert Weymar stammen aus dem Jahr 1929. In einem Vergleichsverfahren zur Abwendung eines Konkurses der offenen Handelsgesellschaft „Handelsgesellschaft Malzfabrik Wegeleben Albert Weymar & Sohn“ in Wegeleben bei Halberstadt taucht seine Witwe Anna Weymar auf [4]. Albert Weymar muss also Ende der 1920er Jahre verstorben sein. Die Malzfabrik um die es hier geht, liegt in Halberstadt, also gut 100 Kilometer von Mühlhausen entfernt, und wurde im Jahr 1930 geschlossen.
 
(W014) [10, 16.01.1889]
Übergabe der Bierbrauerei zum Rheinberg durch die Erbengemeinschaft von Johann Adam Steinberg an Albert Weymar. Anzeige vom 16.01.1889
(W018) [11, 27.06.1897]
Bier-Treber abzugeben. Anzeige der Brauerei Steinberg aus dem Jahr 1897
                                                                        

Restauration, Mineralwasser und das Ende
In den Folgejahren wird in der Freiheitstraße 59 die „Restauration zum Rheinberg“ betrieben. Der imposante Saal der Restauration ist weiter unten abgebildet.
Dies vermutlich aber nur wenige Jahre, denn im Jahr 1907 firmiert unter gleicher Adresse die „Fabrik zur Herstellung und Vertrieb alkoholfreier Getränke“ von Peter Dhünn.
Heute befindet sich an gleicher Stelle eine schmucklose Wohnbebauung.
 
(F001) [6]
Foto der "Restauration zum Rheinberg" aus dem Jahr 1900
 
(PK001) [6]
Foto des großen Veranstaltungssaals der Restauration zum Steinberg, um 1900
 
                                                               
(WZ001) [4]
Warenzeichen "Rheinsprudel", erteilt am 25. Juni 1907. Das Warenzeichen gehörte zur "Fabrik zur Herstellung und Vertrieb alkoholfreier Getränke" von Peter Dhünn. Der Sitz der Firma war das alte Brauereigebäude in der Freiheitstraße 59.
(W017) [10, 28.10.1908]
Werbung für "Kaiserbrunnen" Mineralwasser mit Nennung der Mülheimer Vertretung von Peter Dhünn aus dem Jahr 1908
(F002)
Foto der heutigen Bebauung (2010er Jahre) in der Mülheimer Freiheit Nr. 59

Übersicht der Firmierungen
Zeitraum        Firmierung Anmerkung
(1847) – 1889 Bair. Bierbrauerei "zum Rheinberg", Johann Adam Steinberg Freiheitstraße 75, ab ~Mitte 1880er Jahre Hausnummer 59
1889 – 1898 Brauerei Steinberg, Albert Weymar  

Anmerkungen
» Außer geprägten Bierflaschen und Etiketten sind keine weiteren Brauereiwerbemittel wie Krüge oder Gläser bekannt.
» In der Kölnischen Zeitung aus dem Jahr 1904 findet sich noch folgender Eintrag bezüglich eines Enkels von Johann Adam Steinberg:
[8, 23.03.1904] Mülheim a. Rh., 21. März. Den Tod fürs Vaterland erlitt ein Mülheimer in Südwestafrika. Der auf dem Kriegsschauplatze gefallene Vizefeldwebel d. R. Bernh. Wellstein ist nicht, wie es in den Telegrammen lautet, in Mülheim an der Ruhr, sondern laut „Mülh. Ztg.“ in Mülheim am Rhein geboren. Der Gefallene, ein Enkel des verstorbenen Bierbrauereibesitzers Johann Adam Steinberg von hier, war seit Jahren in der Kolonie ansässig und betrieb dort eine Farm.

Brauereiwerbemittel
(E001) [Mittenzwey]
Vermutlich ein Versandetikett
 
(E002) [Mittenzwey]
Etikett des Deutzer Bierverlegers A. Herzig um 1892. Die Brauerei Steinberg ist zu dieser Zeit schon im Besitz von Albert Weymar
 
(PK001)
Porzellankopf einer Bierflasche der Brauerei Steinberg. Die passende Flasche ist im Besitz des Kölnischen Stadtmuseums

Quellenverzeichnis
 
1 "Historisches Verzeichnis alter Biergläser/Krüge aus dem Köln/Bonner Raum", Hrsg.: Wolfgang Wukasch
2 "Mülheim im Museum" - Die Bestände des Kölner Stadtmuseums. Hrsg: Michael Jäger / Kölnisches Stadtmuseum, 1991
3 "Amtsblatt der königlichen Regierung zu Köln", Jahrgänge 1847 und 1854
4 "Deutscher Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger", Berlin, Ausgaben: 17.11.1879, 29.03.1886, 24.03.1892, 01.06.1894, 19.07.1905, 15.09.1905, 19.07.1907, 07.06.1929, 04.02.1930
5 "Brauerei-Verzeichnis Deutschland", Michael Gorytzka, Manfred Friedrich, herausgegeben von der Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e.V. (FvB), Ausgabe November 2009
6 "Köln-Mülheim in alten Bildern", Bernhard Kempkes, Sutton Verlag, 2002
7 Greven's Adressbücher von Köln, Ausgaben 1892, 1893, 1894, 1895, 1896, 1897, 1898, 1900
8 Kölnische Zeitung, Ausgaben 19.06.1851, 10.06.1852, 26.05.1853, 20.07.1853, 19.05.1856, 12.07.1857, 15.07.1863, 02.03.1867, 18.05.1867, 05.05.1868, 21.11.1868, 08.03.1873, 12.05.1873, 29.04.1876, 15.12.1882, 01.12.1883, 20.09.1890, 04.01.1896, 16.03.1898, 09.11.1898, 23.03.1904
9 Echo der Gegenwart, Ausgaben 03.04.1892, 16.07.1892
10 Kölner Lokal-Anzeiger, Ausgaben 18.01.1889, 05.04.1891, 24.07.1892, 27.03.1894, 22.10.1908
11 Kölner Sonntags-Anzeiger, Ausgabe 27.06.1897